Lass dein Tier groß sein – und wachse selbst

Es ist eine dieser Meldungen, wie sie alle paar Wochen durch die Gazetten geistern: Forscher haben herausgefunden, dass Pferde die Mimik ihrer Menschen lesen können.  Wissenschaftler haben entdeckt, dass Katzen tatsächlich mehr als drölfzig Gemütsverfassungen ihrer Leute unterscheiden können. Und jetzt: Eine Sprachtherapeutin in Kalifornien hat ein „Soundboard“ entwickelt, mit dem Hunde per Pfoten-Klick ,Futter‘, ,Rausgehen‘ oder ,Spielen‘ einfordern können.

 Ganz ehrlich: Ich schwanke noch, ob mich bei der Vorstellung das große Gähnen oder das große Gruseln packt.

Futter, Wasser, Bewegung und Zuwendung sind Grundbedürfnisse eines Tieres. Um diese bei deinem Hund, deiner Katze, deinem Kaninchen, Meerschweinchen, Pferd & Co. wahrzunehmen, brauchst du weder tier-telepathische Kenntnisse noch ein technisches Hilfsmittel wie das „Soundboard“, sondern nur ein gewisses Grundwissen, gesunden Menschenverstand und Offenheit gegenüber deinem Tier.

Wo liegt denn nun der angebliche Mehrwert so eines „Soundboards“?

Dem Beitrag zufolge können die Hunde mit seiner Hilfe und etwas Training lernen, die Worte zu ganzen Sätzen zu kombinieren, die das System dann in menschliche, in diesem Fall die englische, Sprache übersetzt. Ein Beispiel, das im Text genannt wird: Frauchen erfüllt nachts um drei nicht den Wunsch des Hundes nach frischem Futter, der Hund drückt daraufhin die Tasten-Kombi „love you no“ (sinngemäß übersetzt: Ich mag dich nicht mehr). Damit, so suggeriert der Beitrag, sei der Hund nun endlich ein vollwertiges Mitglied der Familie, das seine eigenen Belange für seine Menschen verständlich äußern könne.

Klingt nach einem innovativen „Must Have“, das die Verbindung zwischen Mensch und Hund und somit auch das Leben von Hunden grundlegend besser machen kann? Sorry, ist es nicht. Im Gegenteil.

Ich vermute, dass so ein „Soundboard“ die Verbindung zwischen Hund und Mensch sogar verschlechtern würde, weil es für den Menschen dann gar keine Notwendigkeit mehr gäbe, seinen Hund als eigenständiges Wesen mit eigenen Bedürfnissen und Kommunikationswegen wahrzunehmen. Oder bewusst überspitzt formuliert: Der Hund hat nicht die Klick-Maschine benutzt, die seine Botschaft, dass er spazieren gehen möchte, in Menschensprache übersetzt? Alles klar, dann muss er wohl nicht. Trifft sich gut, ich habe nämlich auch gerade gar keine Lust, raus zu gehen …

Der zentrale Grund, aus dem ich Ansätze wie das „Soundboard“ als kontraproduktiv empfinde, wenn es um den längst überfälligen Schritt geht, unseren Tieren endlich zuzuhören, ist allerdings ein anderer:

Solche Konzepte limitieren Tiere von Anfang an auf die Bedürfnisse, das Wissen und den Gefühlshorizont, die der Mensch ihnen zubilligt.

Ein Hund? Der ist doch zufrieden, wenn er Futter bekommt, dreimal täglich um den Block geführt wird und ab und zu spielen darf.  Entsprechend stellt der Mensch dem Hund per „Soundboard“ genau das Vokabular zur Verfügung, von dem ER denkt, dass es alles benennen kann, was das Leben des Hundes ausmacht: „Futter“, „Rausgehen“ , „Spielen“. Das ist nicht an sich falsch, und es mag durchaus den einen oder anderen Hund geben, dem das genügt – wahrscheinlicher ist jedoch, dass es einfach nie einen Menschen interessiert hat, was diesem Hund darüber hinaus für sein Leben wichtig ist.

Wenn du dein Tier ausschließlich auf seine Grundbedürfnisse reduzierst, verpasst du alles, was es sonst noch zu geben hat.

Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass der intellektuelle, emotionale und mentale Kosmos eines Tieres sich um so viel Größeres drehen könnte als um die Befriedigung seiner elementaren Bedürfnisse. Aber das markiert bloß die Grenzen im Denken der Menschen, nicht die in jenem des Tieres. Gib dieser Idee eine Chance! Sei neugierig: Vielleicht lässt dich dein Tier dann weitere Anliegen wissen – so wie der Wallach, der mir eine richtige Wunschliste übermittelte, pragmatisch, präzise und absolut stimmig, wie sich im späteren Gespräch mit seiner Menschin zeigte: „Ich brauche eine neue Decke, einen neuen Ball zum Spielen und mehr Salz.“ Schon eine solche Botschaft liegt weit jenseits der Vermittlungs-Möglichkeiten eines „Soundboards“. Aber sei ruhig noch mutiger: Lass den Gedanken zu, dass der Horizont deines Tieres immens viel weiter ist, als du glaubst!

Das, was Tiere wissen, fühlen und denken, umfasst so viel mehr.

Sie sind eigenständige Lebewesen mit eigenen Persönlichkeiten, Gefühlen, Wünschen, Bedürfnissen und Interessen, die sie sehr genau formulieren können. Wir müssen ihnen nur zuhören – wirklich zuhören, auf mentaler Ebene, mit dem Herzen. Ich mache das seit einigen Jahren, und hier sind ein paar Beispiele aus meinen Gesprächen mit Tieren, die zeigen, welch umfassendes Verständnis sie vom Leben haben:

  • Da ist die Katze, die gern Freigängerin sein möchte und sagt, sie wisse um die Gefahren, aber sie könne und möchte auf sich selbst aufpassen. Sie verstehe, dass ihre Menschin nur aus Liebe handele, aber wenn sie stets und ständig versuche, sie zu beschützen, mache sie das ganze Vertrauen kaputt, das zwischen ihnen sei. Sie würde viel lieber gemeinsam mit ihrer Menschin Ängste überwinden und wachsen.
  • Da ist die Stute, die mir vermittelt, dass sie nicht gern geritten wird. Dass sie die Zeit mit ihrer Menschin lieber anders verbringen möchte, zum Beispiel indem sie zusammen Zirkus-Kunststücke einüben. Sie sei so gerne Clown, sagt die Stute, sie liebe es, die Menschen zum Lachen zu bringen. Und sie wisse, dass auch ihre Menschin sich tief im Herzen so ein Zusammensein wünsche. Diese traue sich aber nicht, weil die anderen Leute sagen würden, das sei kein „richtiges“ Reiten. Sie würde ihrer Menschin so gern Mut machen, sagt die Stute, das trotzdem einfach mal zu machen. Was gut für sie beide ist, sei schließlich wichtig; nicht das, was andere Leute sagen.
  • Da ist der Hund, der sich Sorgen um seinen Menschen macht, weil der ständig arbeite und auch zu Hause und sogar beim Spazierengehen stets mit seinen Gedanken und seiner Aufmerksamkeit bei seinem Job sei und nicht bei sich selbst und bei ihm, dem Hund. Das sei nicht gut für den Menschen, sagt der Hund, er spüre, dass es ihn traurig mache, und er habe Sorge, dass es ihn sogar krank machen könne. Und wünscht sich, dass sein Mensch lernen möge, viel stärker im Moment zu leben.

Wie hätten diese Tiere und all die anderen, mit denen wir Tierkommunikatorinnen uns täglich austauschen, solche weisen Einsichten ins Leben wohl per „Soundboard“ übermitteln sollen? Mit einem arg eingeschränkten Wortschatz, von dem Menschen befinden, es sei der für Tiere  angemessene, der einzig relevante?

Für den telepathischen Austausch mit Tieren muss kein Hund lernen, ein Gerät zu bedienen; diese Form der Kommunikation braucht überhaupt keine technischen Gimmicks. Du und dein Tier, ihr habt alles in euch, was ihr dafür benötigt. Telepathie funktioniert nicht nur mit Haustieren, die sich trainieren lassen und die Erfahrung haben im Zusammenleben mit Menschen, sondern ganz mühelos auch mit Wildtieren. Sie funktioniert über jegliche Entfernung sowie über alle landessprachlichen Grenzen hinweg und lässt uns ohne Reibungsverluste an der großen Weisheit von Tieren teilhaben, aber auch an ihrem Witz, ihrem Humor und ihrer Lebensfreude. Lauter Dinge, an denen ein „Soundboard“ kläglich scheitern würde.

Und lauter Dinge, die nicht nur euer Zusammenleben, sondern auch dein eigenes Leben so viel größer und erfüllter machen können.

Genau wie die wohl tiefste und berührendste Botschaft eines meiner Tiere, die ich bislang erhalten habe und die ich auf keinen Fall hätte verpassen mögen. Vor kurzem musste ich mich von meinem Seelenkater Heinrich verabschieden. Er war lange krank gewesen, hatte diverse gesundheitliche Baustellen. In einer seiner großen Krisen, als es tatsächlich wieder einmal um Leben und Tod ging, hat er mir gesagt:

„Die Liebe hört nicht auf mit dem Tod, sie ändert nur ihre Form.“

Kein „Soundboard“ der Welt könnte eine solche Botschaft übermitteln – die Tiertelepathie kann es. Ganz mühelos.

 

Wünschst du dir ein Gespräch mit deinem Tier? Hier steht, wie es läuft, und hier kannst du mich kontaktieren.

Möchtest du selbst lernen, mit Tieren zu sprechen? Hier erfährst du alles über die Kurse, und hier kannst du mich anschreiben.

 

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